Marianne Sydow
 
 
© Marianne Sydow
 
 
 
 


Der Drucker druckt nicht

und andere Kalamitäten

   
 


Um Bestandskataloge, Luftpiraten und andere feine Sachen realisieren zu können, braucht man Drucker - logo. Nun, ich hatte bereits drei von diesen Dingern rumzustehen, einen feinen kleinen Tintenstrahler von Canon, dazu den großen Bruder in A3, sowie einen lausigen alten, schon völlig heruntergekommenen HP-Laser-Drucker, der die Seiten schief reinzog, Eselsohren ins Papier knickte und alle naselang an Verstopfung litt. Klar, daß unter diesen Umständen Canon bei mir die Nase vorn hatte. Auf keinen Fall wollte ich einen HP. HP erinnerte mich außerdem an HB und an meine Raucherzeiten: "Siehst du die Gräber dort am See? Das sind die Raucher von HB. Siehst du die Gräber dort bei Danzig? Das sind die Raucher von Ernte 23." Usw. Und aus solchen und anderen vernünftigen Überlegungen heraus bestellte ich mir einen Canon-Lasershot.

Aus heutiger Sicht kann ich Leuten mit ähnlichen Intentionen nur raten: Finger weg - Katastrophe pur.
Denn man kann mit dem Canon-Lasershot zwar alles mögliche drucken, aber keine Hefte.

Als erstes wird man lauthals zum Erwerb des verdammten Dingens beglückwünscht, und dann geht´s gleich erstmal in die Vollen: Installieren läßt sich der Drucker nur in englisch. Ich kann zwar englisch, aber so viel nun auch wieder nicht. Zwar gibt es ein (virtuelles) deutsches Handbuch, aber das muß man dann immer extra auf´m Schirm rumzuliegen haben.

Nun denn - endlich war er installiert, und es ging ans Drucken: Duplex. Das kann er - nur darum habe ich ihn bestellt. Aber: Duplex kann er nur in dem Sinne, daß er Blätter auf beiden Seiten bedruckt. Broschüren-Druck (4 Seiten auf ein Blatt, entsprechend sortiert, so daß man sie zu einem Heft zusammenfalten kann) kann er nicht. Und auch sonst hat er so seine kleinen Eigenheiten: vorgegebene Seitenzahlen läßt er z.B. links liegen und druckt nur nach seiner eigenen Zählung. Wenn man trotzdem (noch nichts Böses ahnend) auf der Duplex-Booklet-Sache besteht und von ihm verlangt, daß er zwei A5 Seiten auf ein A4 Blatt drucken soll, kriegt er das prompt in den falschen Hals und verlangt, daß man ihm ein A5 Blatt in seinen manuellen Papierschacht stopfen soll. Mit dieser völlig unsinnigen Forderung tritt er erstmal in Totalstreik.

Irgendwann, nach vielen Fehlversuchen, kam mir die Idee "Laß doch dem Kind die Banane". Ich geb ihm also ein A5 Blatt, er frißt´s mit affenartiger Geschwindigkeit, und als er es wieder ausspuckt, hat er doch prompt in winzigkleinem Mäuse-Format die zwei Seiten auf das A5-Blatt gedruckt. Während ich noch voller Verblüffung auf dieses Meisterwerk starre ("Sie werden begeistert sein von dem kristallklaren Schriftbild"), hat das Aas seine Streikphase unvermittelt beendet und macht sich mit Bärenhunger über das A4-Papier im anderen Eingabeschacht her. Auf den Stopp- und Abbruch-Schalter kannst du drücken, bis du schwarz wirst: das Biest nudelt die gesamten, durch seinen Streik und die damit verbundenen Fehlversuche verursachten Druck-Aufträge runter, ob du willst oder nicht. Verschwendet Papier, verschwendet Toner und ist einfach nicht zu stoppen.

Der Tragödie zweiter Teil: der Versuch einer Kontakt-Aufnahme zur Firma Canon zwecks Beratung und möglicher Katastrophenhilfe: Denkste Puppe!

Mails werden prompt beantwortet - allerdings nur von irgendeinem Computer, der nicht die leiseste Ahnung hat, was du von ihm willst. Egal von welcher Seite her du es versuchst: du kriegst immer nur den Hinweis, daß man bei dieser Adresse für deine Probleme nicht zuständig ist: "wenden Sie sich an www.canon.support.europe.com" - und da kommst du natürlich gerade her.

Aber es gibt ja noch eine Telefon-Nummer. Die gehört zu einem Call-Center, einem indischen. Während du wartest (bei Musik in einer Ton-Qualität, die selbst einen hauptberuflichen Masochisten in den Wahnsinn treiben könnte), erteilt dir eine DRÖÖHHNN- Stimme nach jedem zehnten Takt den Rat, du mögest dich doch besser an das bereits sattsam bekannte www.canon-support-europe.com wenden. Spätestens nach einer Viertelstunde kriegen deine Trommelfelle den großen Durchhänger, dein Tinitus tanzt Samba und du mußt eine Pause einlegen, weil dir sonst die Ohren abfallen.

Beim dritten Versuch (von fünfen - bei zweien fiel mir vor Schreck der Hörer runter) hatte ich Glück: es meldete sich tatsächlich ein Inder.

Die Inder sind nette Leute und von Computern verstehen sie sicher viel. Der erste gab mir lauter gute Hinweise. Die funktionierten alle nicht. Der zweite nahm´s zur Kenntnis und bemühte sich um bessere Hinweise, indem er mich eine Weile warten ließ, während er allerlei Erkundigungen einzog. Diese besseren Hinweise funktionierten ebenfalls nicht. Der dritte ließ sich meine Telefon-Nummer geben und versprach, es würde mich jemand anrufen (hatten Nr. 1 und 2 auch schon behauptet, war aber nix). Nun, im dritten Versuch klappte es, ein deutscher Canon-Typ war dran und erklärte mir eiskalt, daß Canon-Drucker grundsätzlich keinen Broschürendruck können.

Toll, toller, Tollhaus. Ich stand vor Freude Kopf.

Theoretisch könnte man das sicher mit einem entsprechenden Programm umgehen. Theoretisch! Open Office z.B. bietet sowas an. Ich habe Open Office. Der versprochene Broschürendruck funktioniert trotzdem nicht, weil das Aas von Canon sich a) den Teufel was um Open Office-Befehle schert und b) sofort wieder bockt und seine alberne A5-Seite im manuellen Schacht verlangt. Ich bin drauf und dran, ihm Zähne anzudichten und ihn zu einem Schlagabtausch aufzufordern, bei dem ich ihm seinen manuellen Schacht polieren möchte, daß ihm seine dämliche Duplex-Einheit dorthin rutscht, wohin ich ihn anschließend zu treten gedenke. Ich habe sogar schon überlegt, ob er (wenn er sich nun schon so fast menschlich albern benimmt), irgendwo eine Stelle hat, an der man ihn nach Art der Kameltreiber auf Trab bringen kann - zwei Ziegelsteine, zusammenhauen, das Kamel macht "Huch" und rennt wie irre los. Aber nach einer solchen Behandlung würde der Händler den dämlichen Kasten sicher nicht mehr zurücknehmen!

Wie auch immer: unsere Wege mußten sich zwangsläufig wieder trennen. Ich entfernte seine Kabel, suchte ohne jede Spur von Trennungsschmerz seine Klamotten zusammen und besorgte eine Rolle doppelt klebendes Teppichband, um ganz unauffällig den Karton wieder zusammenzukleistern, aus dem man ihn auf die von Canon vorgesehene Weise höchstens mit Hilfe von drei bis fünf Tuben Gleitcreme rausbekäme - die dann aber wieder dem Drucker nicht bekommen würden.

Die Rücknahme war bereits fest vereinbart und ich bedauerte schon im voraus den armen, nichtsahnenden Menschen, den dieser kastenförmige Alptraum als nächsten in den Wahnsinn treiben würde. Nachts träumte ich, daß das verdammte Ding sich in der Dunkelheit in Schwefel und grünen Schleim auflöste und sich klammheimlich davonmachte, so daß ich noch nicht mal mein Geld zurückkriegte (ich sollte unter die Wahrsager gehen!).

Aber ich hatte die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Dieser Monsterdrucker hatte noch ganz andere Tricks drauf, und seine Rache war infam:
Canon hat zum Rausheben des Druckers aus dem Karton eine Art Pappschlaufe in den Karton eingelegt. Das Rausheben des Druckers mit dieser Schlaufe ist sehr schwierig, alles ist viel zu eng und ganz offensichtlich auf Kunden angelegt, die mindestens 1.80 sind und regelmäßig ihre Muckis trimmen. Beim Versuch, den Drucker wieder in den Karton zurückzuheben, ist die Pappe gerissen.

Canon selbst betont in seinem (nur per CD zugänglichen) Handbuch immer wieder, daß dieser Drucker volle 10 kg wiegt und daß man aufpassen soll, daß er einem nicht auf den Zeh oder sowas fällt. Offensichtlich wurden aber sowohl die Pappe, als auch die Styropor-Verpackung zu schwach für dieses Gewicht gewählt: der Drucker ruht im Karton mit seinem vollen Gewicht auf zwei Styropor-Stegen, die gerademal so dick sind wie mein kleiner Finger. Die waren schon beschädigt, als ich alles ausgepackt hatte. Geiz ist geil - sogar an der Verpackung wird noch gespart!
Wie auch immer: Die Pappe riß, Nachgreifen am Styropor half nicht, denn das zerbrach, der Drucker krachte auf den Boden, und nun war er kaputt. Exitus. So wollte die Firma ihn nun auch nicht haben. Man empfahl mir, ich möge mich schriftlich an die Firma Canon wenden und mich beschweren. Habe ich getan - war natürlich völlig sinnlos.

Nach soviel Ärger an der Druckerfront legte ich eine Pause ein, saß auf meiner Terrasse und lauschte in sentimentaler Stimmung einem Frosch, der vor sich hin quakte. Vielleicht hätte ich ihn suchen und küssen sollen - "Puff, in Wirklichkeit bin ich ein Drucker-Prinz!" (oder eine Prinzen-Rolle).

Trotzdem brauchte ich einen Drucker. Diesmal war ich schlauer und holte mir einen HP. Mit Duplex und Booklet-Funktion. Nicht aus dem Internet, sondern aus einem Laden. Ich stellte ihn auf, installierte ihn, fütterte ihn mit Papier und einer Datei aus A5-Seiten, und er druckte mir auf A4-Blättern ein Klasse-Probe-Exemplar von einem Bestandskatalog aus. Zufrieden begab ich mich zu Bett.

Aber am nächsten Morgen tat mein gerade noch so netter und folgsamer Drucker plötzlich, als wüßte er überhaupt nicht mehr, was ich von ihm wollte. Ich nahm die gleichen Einstellungen vor, verwendete das gleiche Papier, alles war wie gehabt, aber: automatischen Duplex verweigerte er und verkleinerte die Texte auf Mäuseformat. Mit anderen Worten: m
ein Drucker-Problem pflanzte sich erstmal munter fort. Anruf bei HP (Callcenter in Rumänien oder so ähnlich): kein Ergebnis. Versprochener Rückruf: kam nicht.

Schließlich habe ich mir jemanden von dem Laden kommen lassen, bei dem ich das Dingens gekauft habe (ein Sklavenmarkt für arme unterdrückte elektronische Mitbürger - vielleicht vermißte er in Wirklichkeit bloß seine Mammi und seine Geschwisterchen? Ich versuchte ihn mir gerade als Drucker-Säugling vorzustellen - süß, richtig sympathisch. Aber dazu war er eigentlich nicht da, verflixt noch mal!)

Der Fachmann kam und konnte auch nicht rauskriegen, was dem Tierchen fehlte, aber er entdeckte immerhin eine Umleitung: Mein Drucker mag partout keine A5-Vorlagen - hat er was gegen, kann man nichts machen. Also sagte sich dieser pfiffige Mensch: "Laß doch dem Kind sein Spielzeug" und gab ihm A4-Vorlagen. Die verdaut mein Drucker ohne Magengrimmen, druckt brav 2 Seiten nebeneinander auf ein A4-Blatt, duplext munter vor sich hin, sortiert auch alles brav und richtig - alles okay. (Bloß daß ich natürlich erstmal ausprobieren mußte, mit welcher Schriftgröße das Ganze dann hinkommt, und das Layout war auch erstmal im Eimer. Inzwischen kannte ich Band 1 fast auswendig).

Aber noch immer kann mir kein Mensch erklären, warum - zum Henker - das vermaledeite Ding im ersten Anlauf etwas getan hat, was es seither strikt verweigert.

Inzwischen waren einige BÄRZIN-Nummern ausverkauft. Früher habe ich die auf der oben bereits erwähnten HP-Ruine gedruckt, immer Blatt für Blatt, Vorderseite, Rückseite, alles einzeln und sehr mühsam, und das Biest brauchte fast fünf Minuten, um die Datei aus dem Computer zu lutschen - und dann druckte er mit Karacho krumme, schiefe, geknickte Blätter nach dem Motto: "Nimm´s und friß es oder laß es eben bleiben." Das sollte sein neuer Kollege doch besser können!

Nun - er tat es auch. Er druckte ein BÄRZIN ohne Fehl und Tadel, im Duplex-Verfahren, nur noch falzen und klammern, fertig. Toll! dachte ich, montierte die nächste Datei, gab den Druckbefehl und begab mich aufs Klo. Als ich zurückkehrte, war mein Superdrucker fertig, stand da, und seine Lämpchen leuchteten stolz und selbstzufrieden: Auftrag ausgeführt. Oh ja! Er hatte jede Seite des BÄRZINs gedruckt - aber leider in einer verkürzten, zusammengeschobenen Weise, die nur den oberen Teil der Seite füllte. Und der Rest der Seite war komplett schwarz. Wobei er durchaus flexibel war: bei manchen Seiten war der schwarze Streifen nur ein paar Zentimeter breit, bei anderen war er fast formatfüllend.

Gut, dachte ich mir, irgendwas schief gegangen, neu montieren - das Ergebnis blieb gleich. Fachmann zu Rate gezogen, anderes Programm benutzt, auf die Knie gefallen, gebetet und gebettelt: er blieb dabei, schwarze Balken zu produzieren. Ich konnte regelrecht hören, wie der Toner durch die Düsen pfiff.

Inzwischen ziehe ich es vor, ihn in dieser Sache nicht weiter zu behelligen. Er hat mich zu der weisen Einsicht gebracht, daß man von seinem Drucker nicht zu viel verlangen soll: er druckt den Bestandskatalog und meine Korrespondenz und auch sonst so mancherlei, aber eben keine Graphik. Und wenn fremde Hände ihm Papier irgendwohin schieben, wo er´s nicht haben will, zeigt er ein klein wenig die Zähne, zieht zwei Blätter auf einmal ein, sodaß die Seitenfolge durcheinandergerät, oder zaubert aus den Tiefen seines Speichers irgendeinen kleinen vergessenen Druckauftrag von vor zwei Wochen hervor, den er ganz dienstbeflissen erstmal abarbeiten muß. Unbedingt. Ist seine Pflicht! Dann räume ich demütig mit eigener Hand seine Papierlade aus und wieder ein - der Erziehungsprozeß ist weitgehend abgeschlossen, mein Drucker ist im großen und ganzen recht zufrieden mit mir.

Für den Luftpiraten - alles Graphikdateien - haben wir zwei Samsungs gekauft, erst den einen (für Ralph, der in Berlin druckt), und als feststand, daß er tat, was wir wollten, den zweiten (für mich, in Buckau). Beide arbeiten brav und zuverlässig (bis jetzt, jedenfalls - man soll den Drucker nicht vor dem Abend loben - siehe unten!).

Inzwischen druckte Ralph in Berlin auf seinem Canon-Tintenstrahler wunderschöne, kontrastreiche, leuchtende Umschläge, während mein eigener geliebter kleiner feiner Canon (Baujahr 2001) fleißig Makulatur produzierte - Bilder, die aussahen, als hätte man sie mit Milch übergossen. Die Fraktal-Bilder auf Foto-Glossy lieferte er so brillant wie eh und je, nur bei den verflixten Luftpiraten war er überfordert: er wurde mit dem neumodischen Papier nicht fertig. Also kam auch noch ein neuer Tintenstrahler ins Haus.

Jetzt stehen also bei mir vier Drucker. Eigentlich wären es sogar fünf - der A3-Tintenstrahler ist gerade in Berlin. Die Steckdosenleiste ist längst ausgebucht, der Kabelsalat ist gewaltig. Mir wird Angst und Bange, wenn ich an unsere weiteren Projekte denke: irgendwann werden die Drucker die Herrschaft über uns übernehmen. Mehrstöckig werden sie auf langbeinigen Tischen übereinander stehen, wir werden mit Leitern an ihnen auf und ab turnen und ihnen Zettel ins Kreuz heften, auf denen steht, was sie dulden und was nicht. Natürlich beansprucht jeder sein Lieblingspapier und seine nur für ihn kompatiblen Kartuschen und Patronen. Für uns selbst wird gerade noch genug Platz im Zimmer bleiben, daß wir dort die ihnen genehmen Druck-Vorlagen erarbeiten können: "Schneller, Mac, schneller!"

(Das bezieht sich nicht auf die gleichnamigen Computer, sondern ist ein durchaus themenbezogenes Zitat aus "Die grünen Teufel vom Mars" von Fredric Brown: bis zum Wahnsinn von einem grünen Männchen angetrieben - "Schneller, Mac, schneller!" - hackt der Held des Romans so heftig auf seine Schreibmaschine ein, daß der Wagen samt Marsianer aus dem Fenster fliegt.)


Zusatz: Nachträglich möchte ich betonen, daß ich hier weder die eine noch die andere Firma in die Pfanne hauen möchte.

Bei Canon-Druckern ist eben keine Booklet-Funktion vorgesehen - dafür kann der Drucker nichts. Es wäre allerdings nützlich, dies dann auch deutlich sichtbar schon im Internet bei den technischen Daten hinzuschreiben, damit man gar nicht erst bis an den Punkt kommt, an dem man den Drucker in seinen viel zu engen Karton zurückzwängen muß. Kundenfreundlich wäre auch der Hinweis, daß man - wenn man diesen Punkt trotzdem erreicht - dieses Zurückzwängen niemals allein versuchen dürfe, sondern daß man sich einen Verbündeten suchen sollte, besser noch zwei oder drei, die einem zum einen helfen, den Drucker in den Karton zu hieven und zum anderen den Karton festzuhalten, auseinanderzudrücken oder windelweich zu prügeln, damit der Drucker auch tatsächlich im Karton statt auf dem Fußboden landet. Solchen Helfern kann man dann notfalls auch gleich die Schuld in die Schuhe schieben, wenn´s trotzdem schief geht. Sie sollten also versichert sein (aber bitte nicht bei der Iduna). Man überprüfe vor Beginn der Operation die eigene Haftpflicht-Versicherung für den Fa
ll, daß der Drucker einem der tapferen Helfer auf die Zehen fällt, halte Verbandsmaterial, eine Flasche Baldrian und die Notrufnummer bereit, entferne alle zerbrechlichen Gegenstände aus dem Umfeld der Aktion und sorge dafür, daß nichts herumliegt, das sich als Hieb- und Stichwaffe mißbrauchen läßt. Man verabschiede sich rechtzeitig von dem Gedanken, daß dieselben Leute einem jemals wieder helfen werden, weshalb es sich empfiehlt, keine guten Freunde als Helfer heranzuziehen, sondern lieber Leute, die man eh nicht mag.

Was meinen HP betrifft, so ist er offenbar ein Sonderfall. An seinem Eigensinn haben sich schon etliche Leute die Zähne ausgebissen, inklusive einem auf Drucker spezialisierten Techniker. Sein Urteil: zurückgeben und austauschen - aber dazu war es eh schon zu spät. Kommentar: Dann eben Vorschlaghammer drauf und einen neuen kaufen - was natürlich nicht ganz ernst gemeint war. Aber der Mann war wirklich am Ende mit seinem Latein und verlor zusehends die Geduld.

Das Ulkige an dem Ding ist nämlich: im ersten Versuch macht dieser Drucker alles mit, druckt Pdfs der verschiedensten Art, druckt aus Pagemaker, aus Photoshop, aus sonstwas, aber gibt man ihm dann eine andere Datei derselben Art, mit der er einfach nur dasselbe machen soll, ist Sense. Das hat meinen wackeren Techniker dann jedesmal vom Sockel des Triumphs geschmissen: "Da sehen Sie - es geht!" - plumps.

Ich habe trotzdem, an allen Fachleuten vorbei, einen Trick gefunden, den dieser Drucker tatsächlich schluckt: ich konvertiere die Graphiken in jpgs mit 96 dpi und binde sie in Open Office Dateien ein. Das druckt er, sogar in bestechend schöner Qualität: Open Office Luftpiraten sehen aus, als kämen sie aus einer richtigen, großen Druckerei - wunderbar! Der einzige Haken: er läßt sich unheimlich viel Zeit dabei. Aber für Notfälle ist das immerhin ein Weg.

Und ansonsten: es ist zweifellos ein Drucker mit besonderem Charakter. Irgendwie haben wir uns zusammengerauft. Und das sogar sehr gut: das Ding ist wirklich satt beschäftigt und immer noch topfit. Bis auf seine Macken. Die lasse ich ihm. Ich hätte jetzt auch weder die Nerven, noch die Zeit, weitere Versuche am lebenden Objekt mit ihm durchzuführen. Lassen wir ihn doch in Frieden. Solange er mit Schwung und Tempo die Kataloge druckt, soll er ruhig ticken, wie er eben tickt...

Noch´n Zusatz zum Thema "Man soll den Drucker nicht vor dem Abend loben": inzwischen wissen wir, daß auch der Samsung ML-2850D seinen Pferdefuß hat - die Toner-Kartusche.

Wenn mein HP mir anzeigt, daß der Toner knapp wird, zupfe ich die Kartusche raus und beklopfe sanft aber nachdrücklich ihr Hinterteil - danach ist sie glatt noch mal für bis zu 40 Kataloghefte gut. Als der Samsung Ende Gelände signalisierte, wollten wir das natürlich genauso machen, aber das Ding reagierte darauf ganz und gar nicht: rotes Licht, aus, Ende.

Was seinen Grund hat: die Kartusche hat einen Chip, der die Seiten zählt. Sind die vorgesehenen 5000 erreicht, sperrt der Chip jeden weiteren Druckversuch. Da hilft kein Schütteln und kein Klopfen...

Dabei interessiert es nicht im geringsten, was man gedruckt hat: schon die Katalogseiten sind durch viel Fettschrift, Unterstreichungen usw recht anspruchsvoll. Für die Fraktur-Texte der Luftpiraten gilt das doppelt. Und trotzdem druckt der Bursche seine 5000 Seiten und sperrt sich dann. Was darauf schließen läßt, daß man bei normalem Gebrauch für Briefe, Rechnungen und dergleichen mit etwas liebevollem Beklopfen glatt das doppelte herausholen könnte (was bei dem exorbitanten Preis der Kartuschen auch nicht zu viel verlangt wäre).

Nicht auszudenken, wieviel Toner da bei manchen Leuten in die Tonne wandert!

Toner ist ein saumäßig gefährliches, giftiges Zeug. Was die Firma Samsung da treibt, sollte schon aus Gründen des Umweltschutzes verboten sein. Ganz abgesehen davon, daß diese Methode eine sehr unsympathische Art der Abzocke ist!

 
 
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